Rohstoffsuche am Irrsee Mai, Juni 2009

Die RAG (Rohölaufsuchungsgesellschaft) plant, wie auch auf der Jahreshauptversammlung berichtet, schon seit längerem, eine seismische Erkundung unter dem Becken des Irrsees. Seit Anfang Mai wird, wie jeder Irrseefischer ja schon bemerkt hat, am Irrsee nach Kohlenstoffverbindungen gesucht die auf Öl oder Gasvorkommen hinweisen.
Diese 3D seismische Messung wird bevorzugt unter Verwendung des zerstörungsfreien vibrationsseismischen Messverfahrens durchgeführt. Die Messungen beginnen mit vorbereitenden Tätigkeiten wie z.B. Verständigung der lokalen Behörden und Grundeigentümer (nach §149 MINROG kann RAG bei der Behörde auch um zwangsweise Grundüberlassung ansuchen) sowie Vermessungsarbeiten im Gelände. Das Befahren sensibler Flächen (z.B. Moorflächen) mit dem Bohrgerät (unter Berücksichtigung spezieller Bereifung) ist bei sichtbarer Durchstauung unmöglich. Dies bedeutet, dass die Möglichkeit einer Befahrung jeweils kurzfristig vor Ort abzuklären ist. Am Irrsee war daher, abgesehen von der Zusage des Konsortiums Zeller Irrsee, auch eine naturschutzrechtliche Bewilligung durch das Land Oberösterreich für den Beginn der seismischen Messungen notwendig.

In den weitaus größten Teilen des Messgebietes kommt die Anregung per Vibro - LKW zum Einsatz. Nur in Bereichen, in denen infolge eines fehlenden befahrbaren Wegenetzes eine ausreichende Messpunktdichte mittels Vibro nicht erreicht werden kann ist geplant, Anregungspunkte im Sprengverfahren mit kleinstmöglichen Ladungsmengen zu realisieren. Am Irrsee ist diese Möglichkeit natürlich nur mit speziellen Arbeitsbooten gegeben.

 
Gemäß dem theoretischen Messraster werden im Abstand von 250m in Nord-Süd-Richtung Messkabel am Seegrund ausgelegt, an denen die Sensoren (Geophone) angeschlossen werden. Im rechten Winkel zu den Messkabellinien werden im Abstand von 250 bzw. 500m entlang von Ost-West ausgerichteten Traversen Druckwellen angeregt. Die Messkabel werden grundsätzlich von Hand verlegt und die Geophone (Durchmesser 3 cm) über eine ca. 10 cm lange Spitze in den Boden gedrückt.
 
Sämtliche Anregungspunkte werden mittels georeferenziertem GPS verortet.
 
Hier sieht man das Prinzip einer seismischen Messung
Am Irrsee können die zuvor eingemessenen Schusspunkte nur mit dem Boot erreicht werden. Hier bietet sich die Erdrakete als nützliches Bohrwerkzeug an. Es handelt sich um einen spitzen Stahlzylinder von etwa einem Meter Länge und ca. 20 mm Durchmesser. Er ist via Luftschlauch (bis zu 200 m) mit einem Kompressor verbunden und arbeitet sich per Verdrängung pneumatisch in die Erdschichten.
Je nach geologischen Gegebenheiten können so Bohrungstiefen bis zu 5 m erreicht werden. Wenn die gewünschte Tiefe erreicht ist, kann das Gerät durch Druckumkehr wieder aus der Erdschicht geborgen werden. In den Bohrlöchern wird eine Sprengladung angebracht und gezündet. Die dadurch erzeugte seismische Welle wird durch die Messkabel aufgezeichnet. Nach Abschluss der Messungen werden sowohl die Messkabel als auch die Geophone rückstandslos entfernt. Es entsteht dabei keinerlei bleibende Veränderung der Umwelt. Aber auch am Fischbestand sind keinerlei Schäden oder Folgeerscheinungen zu befürchten. Das war ja die grundlegende Vorraussetzung für die Erlaubnis dieser Untersuchung. Ähnliche Untersuchungen im Jahr 2008 am Chiemsee sind damals durch die ansässigen Fischereibeauftragten begleitet worden. Es war zu ermitteln, ob durch die an das Wasser abgegebenen Schallimpulse Kurz- oder Langzeitschäden an vor Ort vorhandenen Fischen auftreten. Der Fischereimeister und ein Tauchteam haben diesen Probebetrieb fachwissenschaftlich begleitet und untersucht. Das Ergebnis dieser akribisch durchgeführten Untersuchung ergab, dass weder auf dem Seegrund noch in der engeren oder weiteren Umgebung des „Schusses" sich betäubte bzw. tote Wildfische oder andere, alterierte Wasserorganismen fanden. Es kam während der Beobachtungsphase in keiner Gruppe zum Auftritt irgendwelcher Krankheitssymptome und zu keinem einzigen Fischverlust. Über die Auswirkungen von Druck- und Schallereignissen auf Süßwasserfische gibt es, zumindest im hiesigen Schrifttum, keine Anhaltspunkte, die eine theoretische Vorausberechnung von Art und Umfang hier ggf. zu erwartender Schäden zugelassen hätten. Das wurde erst deutlich, als am 17.09.2008 im Starnberger See vor Niederpöcking in 23 m Wassertiefe ein Torpedo gesprengt werden musste, von dem nicht bekannt war, ob er mit 27 kg (Übungskopf) oder 287 kg TNT (Gefechtskopf) bestückt war. In einem Radius von 3 km wurde vorsichtshalber alles gesperrt bzw. evakuiert. Eine darauf folgende Untersuchung ergab, dass die Sprengung (es war ein Übungskopf) die von einer spontanen Fontänenbildung (geschätzte Höhe: ca.15 m) begleitet war, in einem Radius von 150 m alle vorhandenen Fische tötete. Im Falle des am Irrsee zu betrachtenden „Luftpulsers" zeigte sich bei dessen Probebetrieb, dass er zwar einen Schallpegel entwickelt der noch aus fünf Meter Wassertiefe herauf als kurzer, dumpfer Ton wahrnehmbar ist, dass er aber keine Brisanz hat. Wie eine Videodokumentation belegt, rührt der an der Wasseroberfläche über den Pulser zu beobachtende, 40 cm hohe Schwall ausschließlich von der aus der Tiefe aufsteigenden Luft und er erreicht sein Maximum nicht sofort, sondern erst knapp vier Sekunden nach dem Puls. Es mag unseriös klingen, aber es erinnert an das Platzen eines Luftballons. Wenn Fische oder andere mit einem Schallempfindungsorgan ausgestatteten Wasserorganismen von dem hier in Anwendung gebrachten, seismischen Messsystem überhaupt zu beeindrucken sind, dann lediglich im direkten Umfeld des Impulses für einen Moment des Erschreckens mit anschließender kurzer Flucht. Die im Irrsee durchgeführten seismischen Untersuchungen sind daher aus fischereifachlicher Sicht nur insoweit als Beeinträchtigung anzusehen, als sie durch die Benutzung des Fischereirevieres und durch Auslegung von Messkabeln eine (mit dem Konsortium einvernehmliche) Behinderung der ordnungsgemäßen Fischerei darstellen könnte. Mit ein wenig Rücksicht und Geduld wird es aber hoffentlich zu keinen Problemen mit den ausgelegten Bojen und Kabelflössen kommen. Mit der RAG wurde zusätzlich eine Entschädigung von ca. 30.000.- € vereinbart, die dem Fischbesatz am Irrsee zugute kommt und daher in letzter Instanz unseren Lizenznehmern.
 
 
Vor der idyllischen Kulisse des Dachsteins auf Suche nach Bodenschätzen.
 
 Das vollständige Gutachten
 
Wir danken der RAG für die gute Information betreffend der am Irrsee stattfindenden Untersuchungen.
Petri Heil
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