Ein faszinierendes Schauspiel sind sie ablaichenden Karpfen am Irrsee.

Am 5. Juni kam ein sehr interessanter Anruf von unserem Kassier Schmiderer Paul. Am Auslauf des Irrsees, bei den überschwemmten Wiesen, sollten angeblich hunderte Karpfen Hochzeit feiern. Natürlich traf mich diese Nachricht wie ein Blitz und ich machte mich sofort auf den Weg zur Zeller Ache. Da ja viele unserer Mitglieder eine Karpfenhochzeit noch nicht beobachten konnten, wollte ich das Spektakel mit der Kamera festhalten. Am Auslauf angekommen war ich zuerst enttäuscht, da ich keine Karpfen oder entsprechende Laichvorgänge beobachten konnte. Mein Blick schweifte über den Schilfgürtel und tatsächlich, auf den überschwemmten Laichwiesen an der Ache sah ich jetzt schon aus hunderten Metern Entfernung ein unglaubliches Spektakel. Goldschimmernde Rücken durchbrechen die, durch einen wolkenlosen Himmel blau erscheinende glatte Oberfläche der Laichwiesen. Die Karpfen feierten, bei anscheinend idealen Bedingungen, Hochzeit. Weithin sichtbar spritzte das Wasser auf und die Karpfen überschlugen sich förmlich im Sinnesrausch der Arterhaltung. Vorsichtig annähernd gelang es mir, mitten unter den laichenden Karpfen stehend, einige sehr spannende Beobachtungen und natürlich auch Aufnahmen zu machen. Aus nächster Nähe einen Laichvorgang in freier Natur zu beobachten, diese Gelegenheit hat man ja auch nicht alle Tage. Eng aneinander geschmiegt liegen die Karpfen auf der überschwemmten Wiese und zum Teil schaut bei den großen Rognern sogar der Buckel aus dem Wasser. Doch die Ruhe täuscht. Wie auf ein geheimes Kommando hin beginnt ein hektisches Treiben und die Milchner beginnen die Rogner zu umwerben. Die männlichen Karpfen treiben die Weibchen kreuz und quer vor sich her über die Laichwiese. Die Weibchen werden so bis in die letzten Winkel des Laichplatzes gedrückt und zur Eiabgabe animiert. Dann beginnt der eigentliche Laichvorgang. An der Bauchseite reibend und stupsend stimulieren die Milchner die weiblichen Fische zur Laichabgabe. Jetzt geht alles sehr schnell und die Rogner beginnen mit der Eiabgabe. Blitzschnell werden jetzt die Eier befruchtet und an die Pflanzen geheftet. Dabei geht es richtig zur Sache. Das warme Wasser auf der überschwemmten Wiese schäumt hoch auf und die Karpfen überschlagen sich in einer Form, die man dieser eher plump wirkenden Fischart nicht zutrauen würde. Mit einem Wink seiner Brustflosse scheint uns ein Karpfen zum Abschied zuzuwinken. Der Laichvorgang ist abgeschlossen und da Karpfen keine Brutpflege betreiben, kommt jetzt der Laichwiese eine weitere wichtige Rolle für das Aufkommen der Fischeier zu. Im Schnitt eine Woche benötigen die Gelege unter guten Bedingungen für ihre Entwicklung und dem Schlupf der Fischlarven. Schon an dieser Tatsache kann man den Wert einer regelmäßig überschwemmten und nicht zu schnell trockenlaufenden Feuchtwiese erkennen. Feuchtwiesen beherbergen aber auch eine große Menge an Biomasse. Kleine Krebstiere, Insektenlarven und viele andere wichtige Nährtiere bilden die Nahrungsgrundlage in diesem einmaligen naturgegebenen Mikrokosmos. Feuchtwiesen tragen daher einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung und Verjüngung des Fischbestandes am Irrsee bei. Besonders Hechte sind durch ihr Laichverhalten auf gut funktionierende Feuchtwiesen angewiesen. Aus der Sicht der Bewirtschafter ist das Ausbaggern der Ache verbunden mit einem gewollten schnell abfließenden höheren Wasserstand daher ein Widerspruch der seinesgleichen sucht und wir werden die Vorgänge an der Zeller Ache auch weiterhin im Sinne unseres Fischbestandes und natürlich unserer Mitglieder sehr genau im Auge behalten.

 
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