Zeller Irrsee

Datenerhebung des Aalbestandes am Zeller Irrsee

Eine spannende Fischerei passierte am 27. August am Zeller Irrsee.

Spannend deshalb, weil es sich um eine Elektrobefischung von Aalen im Uferbereich am Zeller Irrsee handelte. Man hört ja immer wieder von hochkapitalen armdicken Aalen welche an den Seen bei derartigen Aktionen zum Vorschein kommen. Wir waren daher sehr neugierig welche Überraschungen der Irrsee für uns Beobachter bereit hatte. Die Initiatorin dieser Fischerei war Frau Katharina Essl, die eine wissenschaftliche Arbeit über den noch vorhandenen Aalbestand in einigen Seen in Oberösterreich schreibt. Frau Essl befischte im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit unter anderem den Wallersee, Attersee, Mondsee, Wolfgangsee und nach unserer erteilten Genehmigung auch den Irrsee. Es ist ja auch für uns als Bewirtschafter von großem Interesse, wissenschaftlich fundierte Informationen betreffend des Aalbestandes am Irrsee zu bekommen. Durchgeführt wurde diese Arbeit von den Profis des Bundesamtes für Wasserwirtschaft vom Mondsee.

Elektrofischen bedeutet Teamarbeit und Konzentration.

Begonnen wurde die Fischerei an den Bootshütten und Stegen in der Bucht unterhalb von Zell am Moos. Hier haben Aale sehr gute Unterstände und es sollte auch nicht lange dauern und der erste Aal wurde vom Strom aus seinem Unterstand gezogen und gekeschert. Hört sich leicht an, ist es aber nicht. Denn gerade beim Aal genügt schon eine kleine Stromschwankung und der Fisch ist über alle Berge. Aale haben ja im See wesentlich mehr Möglichkeiten zu flüchten als zum Beispiel in einem Fluss, wo er durch die Strömung meist abwärts in das Netz treibt. Aber wie funktioniert eigentlich eine Elektrofischerei. Dazu eine kurze Beschreibung. Beim Elektrofischen schwimmt die Kathode (Minuspol) im Wasser und die Anode (Pluspol) ist am Kescher des Elektrofischers angebracht. Das ganze funktioniert mit Gleichstrom. Sobald man nun den Kescher ins Wasser führt, schließt sich der Stromkreis und die Fische werden durch einen Leitstrom an den Kescher geführt und gleichzeitig betäubt (Galvanonarkose). Jetzt kann der Fisch relativ problemlos gekeschert werden. Der Pluspol ist an einer gelb gekennzeichneten Stange montiert und wird vom Fischer an geeigneten Stellen eingetaucht und zum Grund geführt. Er kann bei unzugänglichen Stellen, wie im Schilfgürtel oder unter Stegen, auch geworfen werden und dann mit einem Seil wieder ans Boot geführt werden. Bedingt durch die hohe Wassertemperatur (hohe Leitfähigkeit) und den ungünstigen Bodenverhältnissen wurde mit niedriger Spannung und erhöhter elektrischer Leistung gearbeitet. Auch der schlammige Boden ist nicht optimal für das E-Fischen, aber gerade hier haben sich Aale ihre Höhlen gegraben und sind nur schwer zu erwischen. Die Galvanonarkose hinterlässt bei den Fischen, wenn mit der richtigen Spannung gearbeitet wird, in der Regel keine bleibenden Schäden. Daher sollte diese Fischerei immer von Profis durchgeführt werden. Nicht umsonst werden Elektrofischkurse in Scharfling angeboten, wo man diese Dinge im Detail lernt. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass E-Fischen immer genehmigungspflichtig ist.
 

Wie in einer Schlangengrube schaut es nach der Befischung im Fischbehälter aus. 49 Aale warten hier dichtgedrängt auf ihre Aufnahme in die Statistik von Frau Essl. Anscheinend halten sich doch noch mehr dieser heimlichen Gesellen im Irrsee auf als man dachte. Am Irrsee hat der Aal aber auch einen perfekten Lebensraum, mit strukturreichen Uferzonen wie den Schilfgürtel und schlammige Flachbereiche. Befischt wurde eine ungefähre Uferlänge von 3 km.

 
Nach dem Fischen müssen die Fische natürlich auch wissenschaftlich bewertet werden. Bewertet heißt nichts anderes als die Aale zu vermessen und zu wiegen. An Hand dieser Daten wurde auch das Alter bestimmt und man kam zu sehr interessanten Schlüssen betreffend das Wachstum unserer Aale.
 
Jetzt wird das Gewicht festgestellt
 

Selbstverständlich wurden die Aale wieder in den Irrsee zurückgesetzt. Und wie wir uns persönlich überzeugen konnten, haben die Aale ihr Abenteuer unbeschadet überstanden. Wer sich also auch in Zukunft wieder der Aalfischerei zuwenden möchte, der hat am Irrsee immer noch gute Chancen auf ein nächtliches Rendevouz mit unseren Irrseeschlänglern.

 
Petri Heil