Brachsenbesatz für den Irrsee 2009

Erster Besatz 50000 Stück 30 mm und 6 Wochen alte Brachsenbrütlinge
Zweiter Besatz mit 20000 Stück 50 mm und 18 Wochen alte Brachsenbrütlinge
Im Rahmen der Bewirtschaftung des Zeller Irrsees wurde am 20. Juli im Freiwasserbereich Brachsenbesatz in der Form von 50000 Stück Brachsenbrütlinge besetzt. Im Allgemeinen würde man ja meinen, ein See wie der Irrsee müsste einen Brachsenbestand beherbergen der durchaus in der Lage ist sich selbst zu reproduzieren. Das trifft am Irrsee auch zu. Doch die Bestände nehmen kontinuierlich ab und die Brachsenfänge früherer Jahre sind heute nicht mehr möglich. Die Ursachen sind vielseitig und reichen vom guten Raubfischbestand bis zu der nicht zu unterschätzenden Nahrungskonkurrenz durch Karpfen oder andere durch Besatz gestützte Fischarten. Es ist nun mal eine Tatsache, dass wenn man eine Fischart stark fördert, kann das auf Kosten einer anderen Art gehen. Darum versuchen wir hier regulierend einzugreifen und der Brachse zu alter Bestandsdichte zu helfen. Wir glauben unsere Irrseebrachse ist solch einen Versuch auf jeden Fall wert, denn schließlich ist sie am Irrsee eine heimische Fischart die, neben Karpfen, Hechten und Maränen, genauso unsere Wertschätzung verdient.
Ab einer gewissen Größe werden die Brachsen in der Nähe des Schilfgürtels besetzt.
Obwohl Brachsen Fische sind die wohl jeder Angler kennt, möchten wir sie an dieser Stelle kurz beschreiben. Die Brachse, auch Brasse oder Blei genannt, (Abramis brama) ist eine Fischart aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae). Nach diesem Fisch ist die letzte der bei uns vorkommenden Gewässerregionen benannt. Hohe Nährstoffanteile und schlammiger Grund zeichnen den Irrsee, obwohl am Anfang einer Seenkette liegend, als typischen See der Brachsenregion aus. Die Brachse fühlt sich im Irrsee sehr wohl und hält sich in der wärmeren Jahreszeit in den Uferregionen zur Nahrungsaufnahme auf. Als Nahrung nehmen Brachsen verschiedene Bodentiere und pflanzliche Nahrung auf. Brachsen könnte man auch als Allesfresser bezeichnen die, wenn sie in Fresslaune sind, auch Fischlarven nicht verschmähen. In kleinen Trupps durchwühlen sie die Uferregion und verraten sich durch Luftbläschen und Trübung des Wassers. Am Irrsee wurden Brachsen schon mit den verschiedensten Ködern gefangen, wobei die hochkapitalen oft als Beifang beim Karpfenfischen auf Boilies, Pellets, Teig oder dem viel verwendeten Frolic gefangen werden. Die Durchschnittslänge der Irrseebrachse bewegt sich um die 30 cm. Am Irrsee habe Brachsen einen perfekten Lebensraum und wachsen daher auch zu entsprechend kapitalen Fischen ab. Fische mit einem Gewicht von bis zu 5 kg sind verbürgt. Es gibt aber Erzählungen wo von noch größeren Brachsen bis 70 cm die Rede ist. Diese Fische haben ein ungefähres Alter von 15 bis 20 Jahren. Große Brachsen sind auch immer mit einem guten Raubfischbestand verbunden. Ohne diese natürliche Dezimierung durch Waller, Hecht, Zander und Barsche sind Brachsen, bedingt durch ihre große Fruchtbarkeit, der Gefahr einer Verbuttung (Kleinwüchsigkeit) ausgesetzt.
Eine bullige Irrseebrachse mit 65 cm und 3 kg Gewicht. Vielleicht ist das hochwertige, von Karpfenanglern zum Anfüttern verwendete, Futter mitverantwortlich für das gute Abwachsen der Brachsen am Irrsee. Leider wird dieser ausgezeichnet schmeckende Cyprinide von den Sportanglern, obwohl er eine sehr spannende Fischerei bietet, nicht mehr so geschätzt wie in früheren Zeiten. Die vielen Gräten und die schleimigen Schuppen schrecken so manchen Feinschmecker ab und Brachsen werden nur noch von wenigen gezielt beangelt. Unter wahren Fischgenießern zählen diese Karpfenartigen allerdings durchaus als Delikatesse und Brachsen werden regional, wie z.b. am Chiemsee, auch in der Gastronomie angeboten.
Jungbrachse von 30 mm - Alter 6 Wochen
 
Jungbrachse von 50 mm - Alter 18 Wochen
Am Irrsee laichen die Brachsen schubweise im April bis Juli, wobei die klebrigen Eier, je nach Größe bis zu 300000 Stück, an Uferpflanzen angeheftet werden. Nach dem Schlüpfen kleben die Larven an den Wasserpflanzen und verlassen diese erst nach dem Aufbrauchen des Dottersackes. Jetzt sorgen Junghechte und Barsche für die erste Dezimierung der Brachsenbrut. Diesen natürlichen Vorgang versuchen wir zu umgehen, indem wir die vorgestreckte Brut in der Seemitte vom stehenden Boot aus besetzen. Die Besatzfische stammen von großwüchsigen Elterntieren, sind vorgestreckt und jetzt ca. 30 mm lang. In diesem Stadium haben die Brütlinge schon deutlich bessere Chancen das erste Jahr zu überleben.
 
Die Fische bilden sofort große Schwärme und tauchen in das grünliche, planktonreiche Wasser des Irrsees ab. Hier ernähren sie sich von Plankton und ziehen ab einer gewissen Größe in die Uferregion.
 
Es kann aber auch vorkommen, dass die Brachsenbrut nicht über den Winter kommt. Zu wenig Nahrung kann hier die Ursache sein. Allerdings wird dieser mögliche Ausfall eines Jahrganges durch die hohe Bestandsdichte von selbst geregelt.
 
Eine traumhaft gefärbte Brachse aus dem Irrsee. Diesen Bestand an großwüchsigen Brachsen zu fördern und zu erhalten ist das Ziel dieser und kommender Besatzaktionen. Das Konsortium Zeller/Irrsee und der SAB - Vöcklabruck hoffen mit diesem Besatz die Vielfalt der Fischfauna am Irrsee zu fördern.
 
Wir möchten uns an dieser Stelle auch bei den Mitarbeitern der Brutaufzuchtanlage Kreuzstein bedanken, die uns wie immer mit Rat und Tat zur Seite standen und mit großer Geduld alle möglichen Fragen beantwortet haben.
Petri Heil