Seelaubenbesatz: Irrsee 2008

Im Juli wurde am Zeller /Irrsee ein Besatz mit Seelauben durchgeführt. Besetzt wurden ca. 50.000 St. vorgestreckte Seelauben (Mairenken).

Seelaubenerbrütung im Zugerglas
Jeder der schon früher am Irrsee gefischt hat, kann sich noch sehr gut an die großen Lauben erinnern, die man im Spätherbst mit der Hegene gefangen hat. Hatte man einen Schwarm erwischt, so waren schnell einige Haken besetzt. Am Attersee ist dies heute noch möglich, aber am Irrsee gehören diese Fänge der Vergangenheit an. Genannt wurden oder werden diese Weißfische im Volksmund Schneelauben, Hasellauben oder Schiedlinge. Diese, richtigerweise als Seelauben oder Mairenken benannten Fische, wurden am Irrsee leider durch Überfischung und durch die Vernichtung einiger Laichgebiete fast zum Verschwinden gebracht wurde. Die damalige triste Sauerstoffsituation tat ihr Übriges. Trotz aller widrigen Umstände konnte sich jedoch eine kleine isolierte Population am Irrsee erhalten. Und um diesen Restbestand wieder zu alter Bestandsgröße zu verhelfen, wird mit einem Besatzprogramm versucht die Seelaube wieder in alten Stückzahlen in den See zu bekommen. Für unsere Mitglieder haben wir diesen erstmaligen Besatz mit Seelauben mit der Kamera begleitet.
Doch was ist eigentlich die Seelaube? In der Wissenschaft nennt man diesen zur großen Gruppe der Karpfenartigen gehörenden Friedfisch Chalcalburnus chalcoides mento (AGASSIZ), und wie der Name schon sagt, ist die Seelaube mit der uns bekannten Laube nahe verwandt und sehr leicht mit dieser zu verwechseln. Als Freiwasserfisch lebt dieser Fisch in den oberen Wasserschichten unserer Seen und seine ausgeprägte oberständige Maulstellung weist in als Oberflächenfisch aus. Die Seelaube lebt aber auch von Plankton und zieht daher in großen Schwärmen in Tiefen von 10 - 20 Meter sehr oft mit den Maränen mit. Speziell in der kühleren Jahreszeit sind Seelauben häufig ein Beifang beim Maränenfischen. Zum Ablaichen ziehen Mairenken im Frühjahr in die Zuflüsse unserer Seen auf. Aber auch kiesige Stellen an unseren Seen werden als Laichplätze angenommen. Auch hier sind Seelauben und normale Lauben leicht zu verwechseln und als für uns Angler sicherstes Merkmal kann man eigentlich nur die Größe verwenden. Seelauben sind deutlich größer als normale Lauben und nur bei genauerer Betrachtung findet man noch mehr Unterschiede, wie der verdickte Unterkiefer oder die Stellung der Rückenflosse zur Afterflosse. Zur genauen Bestimmung sollte sich jeder Sportangler ein gutes Bestimmungsbuch zulegen um selbst die Unterschiede feststellen zu können.  An dieser Stelle müssen wir auch auf das Mindestmaß der Seelaube (20 cm) hinweisen, wogegen bei der normalen Laube keine Mindestgröße festgesetzt ist.
 
Vorgestreckte Seelauben - ca. 6 Wochen jung
 
Hier werden die Seelauben für den Besatz vorbereitet. Die mit Sauerstoff angereicherten Transportbeutel werden ins Seewasser gelegt um eine größtmögliche Temperaturanpassung zu erreichen.
Im Freiwasser des Irrsees, weit weg von den natürlichen Fressfeinden wie Barsche oder Junghechte, werden die Seelauben langsam und von der stehenden Zille aus besetzt. Da diese Weißfische ja einen Schwarm bilden sollen, muss auch die Besatzaktion diesem Verhalten angepasst sein.

Jetzt kommt der entscheidende Moment. Da wir mit Seelauben bis zu diesem Besatz keinerlei Erfahrung hatten, waren wir natürlich sehr gespannt wie vorgestreckte Seelauben auf ihr neues Zuhause reagieren. Zu unserer großen Freude verhielten sich diese Freiwasserfische artgerecht und bildeten sofort einen Schwarm der sich an der Oberfläche sammelte und langsam unseren Blicken entschwand.

Es war kaum ein einzeln herumschwimmendes Fischchen zu sehen, alle besetzten Seelauben suchten sofort den Schutz des Schwarms und reagierten auf jede Bewegung der an der Spitze des Schwarms schwimmenden Fische. Selbstverständlich ist es aber nur mit Besatz nicht getan. Auch die Lebensbedingungen für Seelauben am Irrsee gehören verbessert. Die Sauerstoffsituation und die Ablaichmöglichkeiten müssen entsprechend sein, denn nur so haben wir eine Chance wieder einen sich selbst reproduzierenden Bestand an Seelauben im Irrsee zu etablieren. Als Futterfische für Seeforellen füllen die Seelauben eine ökologische Nische aus und sind daher sehr wichtig für den Nahrungskreislauf im Irrsee. Hoffen wir dass sich in absehbarer Zeit wieder Seelauben an der Oberfläche des Irrsees tummeln und ihre typischen Ringe beim Mückeneinsammeln zu beobachten sind.

Das Konsortium Zeller/Irrsee und der SAB - Vöcklabruck hoffen mit diesem Besatz die Vielfalt der Fischfauna am Irrsee zu fördern.

Wir möchten uns an dieser Stelle auch bei den Mitarbeitern der Brutaufzuchtanlage Kreuzstein bedanken, die uns bei diesem Unternehmen wie immer mit Rat und Tat zur Seite standen und mit großer Geduld alle möglichen Fragen beantwortet haben.