Hydroakustische Fischbestandserhebung

mit dem Echolot am Irrsee 2007

Am 23.10.2007 wurde am Irrsee, unter der Leitung von Dr. Gassner, eine Beschallung durchgeführt. Mit dieser Beschallung oder hydroakustischen Fischbestandserhebung, wie dieses Projekt auch genannt wird, wurde das Jahr der fischereilichen Untersuchungen am Irrsee abgeschlossen. Doch was genau ist eine Beschallung? Was ist der Zweck dieser Untersuchung, und welche Ziele werden damit verfolgt? All diese Fragen wollen wir für unsere Mitglieder gemeinsam mit Dr. Gassner bearbeiten und hoffentlich auch in verständlicher Form erklären. Wir haben für diesen Bericht Dr. Gassner vom Bundesamt für Wasserwirtschaft bei seiner wissenschaftlichen Arbeit mit der Kamera begleitet und uns natürlich, die Gelegenheit ausnutzend, auch über Details, wie Sauerstoffgehalt, Fischdichte und Bodenbeschaffenheit informieren lassen. Es ist übrigens immer wieder ein besonderes Vergnügen mit diesem Experten über die Fischerei aus der Sicht der Wissenschaft zu diskutieren. Es gibt immer wieder etwas Neues zu erfahren und man sieht unsere Fische nach solchen Gesprächen auch aus einer anderen Perspektive. Zu diesen Perspektiven gehört natürlich auch diese Beschallung die uns ganz neue Eindrücke von der Unterwasserwelt des Irrsees beschert und nach einer letzten kurzen Vorbesprechung konnte die Untersuchung beginnen.          
 
Ausgehend von der Konsortialhütte wird das Boot klargemacht. Eine Beschallung wird in der Regel in der Nacht durchgeführt. Der Grund dafür ist, die Fische sind in der Nacht mehr im Freiwasser, sind nicht so zerstreut wie untertags und dadurch leichter zu orten. Leider war das Wetter alles andere als freundlich und so musste die Aktion bei starkem Wind und Regen durchgeführt werden.
 
Um eine alle Jahre gleich bleibende Untersuchung zu garantieren, wurde der Irrsee in so genannte Transekte eingeteilt. Transekte sind Seeabschnitte entlang einer geraden Linie. Die Transekte wurden nach bestimmten Kriterien ausgewählt und verteilen sich im Zick Zack Kurs über den ganzen See. Die Koordinaten der Transekte sind GPS gespeichert und werden vom Bootsführer genauestens eingehalten.
 
Sehr großen Wert wird auf die Montage des Impulsgebers gelegt. Zuerst wird das Boot austariert, das heißt wir müssen uns in der Mitte des Bootes ruhig halten, dann wird mit einer Wasserwaage der Geber genau ausgerichtet. Die Signale oder Pings, werden von diesem Geber aus in Richtung Grund gesendet und von diesem rückreflektiert. Alles was sich zwischen Grund und Geber befindet wird von der Software aufgezeichnet. Je mehr Pings auf einen Fisch treffen, umso größer erscheint er als Sichel am Desktop.
 
Hier werfen wir einen Blick auf den Arbeitsplatz von Dr.Gassner. Gut geschützt, in einem dunklen Kasten, befindet sich ein Laptop mit der Software von SIMRAD. 
 
Dieser Laptop wird uns in den nächsten Stunden einen Einblick in die Unterwasserwelt des Irrsees gewähren. Wir sind natürlich sehr gespannt was uns erwartet. Auch Dr. Gassner merkt man eine gewisse Anspannung an, denn obwohl er ja solche Untersuchungen des Öfteren durchführt, so ist doch ein Blick unter die Wasserlinie immer ein besonderes Erlebnis.
 
Die Koordinaten der Transekte sind GPS gespeichert und müssen jetzt genau angefahren werden. Die erste Koordinate wird im GPS abgerufen, die Richtung wird eingestellt und bei gleich bleibender Geschwindigkeit (ca. 4 km/h) wird der gespeicherte Punkt angesteuert. Die genaue Einhaltung des vorgegebenen Kurses und der Geschwindigkeit ist für eine effiziente Auswertung von großer Wichtigkeit. Dem Bootsführer kommt dadurch eine große Verantwortung zu und er trägt wesentlich zum guten Gelingen der Beschallung bei. Das hört sich einfacher an als es ist, denn bei völliger Dunkelheit, Regen und Wind, genauen Kurs zu halten und konzentriert, immer das GPS im Auge, Punkt um Punkt anzufahren, da braucht man schon einige Erfahrung.
 
Das Programm von SIMRAD, entwickelt von einem norwegischen Physiker, zeigt uns erstaunliche Details der Fischfauna. Bestätigt wird auch der, leider noch immer unbefriedigende, Sauerstoffgehalt des Irrsees. Ab einer Tiefe von 20 m bei 2 - 4 mg Sauerstoffgehalt gibt es so gut wie kein Fischvorkommen. Der Sauerstoffmangel in den Tiefenzonen des Irrsees bedeutet derzeit noch keine schwerwiegenden Folgen für den Fischbestand, da das Defizit nur im Herbst auftritt. Aber man sieht deutlich wie sensibel das Ökosystem Irrsee auf Umwelteinflüsse reagiert. Phosphateinträge und die damit verbundene Eutrophierung sind die Hauptursachen des Sauerstoffmangels. Der Irrsee hat mit seinem breiten Schilfgürtel ein gutes Gegenmittel gegen derartige Umwelteinflüsse, aber dieser natürliche Selbstreinigungsmechanismus eines Gewässers funktioniert nur wenn man dem See wieder das zurückgibt was man ihm genommen hat. Am Irrsee würde das ein Anheben des Seespiegels bedeuten und nicht wie von manchen Anrainern gefordert, man glaubt es ja kaum, ein Absenken um einen Meter.

 

Dieses Echogramm zeigt uns genau den Verlauf der Temperaturschichtung. Oberhalb der, als dunkle Linie dargestellten, Sprungschicht befinden sich Kleinfische, wie Barschbrut und diverse Weißfischarten. In der Sprungschicht und etwas unterhalb sind Maränen zu Hause. Jetzt, Ende Oktober, ist diese Temperaturschichtung nur noch schwach ausgeprägt und wird bald ganz verschwinden. Bei dieser Beschallung konnten wir uns mit Dr. Gassner auch über den Fischbestand des Irrsees unterhalten. Natürlich muss man noch die Auswertung abwarten, aber man kann jetzt schon sagen, der Bestand an Maränen ist enorm. Man findet kaum einen Seeteil, egal ob im Uferbereich oder im Freiwasser, wo sich keine Coregonen aufhalten. Das hat natürlich auch mit der im Herbst stattfindenden Abkühlung des Wasserkörpers zu tun. Der Lebensraum für Coregonen wird bei diesen Temperaturen einfach größer und sie können sich auch an Stellen und Wassertiefen aufhalten, wo es im Sommer für diese kälteliebenden Fische viel zu warm ist. Große Schwärme von Rotaugen und Brachsen konnten im nördlichen Seeabschnitt geortet werden. Es ist ja bekannt, dass Weißfische im Herbst an bestimmten Stellen große Ansammlungen bilden. Jetzt konnten wir uns sprichwörtlich selbst einmal ein Bild von diesen Schwärmen machen. Natürlich hatten wir auch ein Auge auf unsere Raubfische. Aber bis auf ein paar Hechte an der 10 m Kante, knapp über der Sprungschicht, konnten wir keine Räuber orten. In der Sprungschicht oder in ihren Unterständen stehende Raubfische, für derartige Detailaufnahmen war unsere Fahrtgeschwindigkeit von 4 km/h einfach viel zu hoch. Die Auswertung wird uns aber auch hier präzise Daten über die Bestandsdichte liefern. Diese Auswertung erfolgt übrigens mit einem speziellen Programm, wobei man im Zoombereich die einzelnen Symbole herausfiltern und zuordnen kann. Daraus kann man sehr gute Rückschlüsse hinsichtlich Größenverteilung und Fischbestand im Irrsee ziehen. Das Ergebnis wird maßgeblich dazu beitragen, den Fischbestand des Irrsees zu erhalten und eventuelle Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. Das neue Zwischenbrittelmaß bei den Maränen ist ja, wie schon berichtet, auf diese Untersuchungen zurückzuführen.

 
Der SAB und das Konsortium Zeller/Irrsee bedanken sich bei Dr. Gassner und seinen Helfern für Ihre Mitarbeit mit einem kräftigem
Petri Heil