Projekt:  Seeforelle am Irrsee

Besatz mit Laichfischen am Zeller Bach

Besetzt wurden 50 Stk. Seeforellen 3+  Atterseestamm
Da wir nichts unversucht lassen um die Seeforelle am Irrsee wieder einzubürgern starteten wir am 29.10.2009 auf Anraten von FM Kletzl einen Versuch mit laichreifen Seeforellen. In diesem Falle ist das Risiko eines Fehlversuches auch relativ gering, da die Fische, selbst bei einem Nichtablaichen, auf jeden Fall im See bleiben und vielleicht im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nehmen. Folgende Argumente waren ausschlaggebend für diesen erstmaligen Besatz mit Laichfischen. Wir wollten einmal beobachten wie sich Seeforellen beim Ablaichen verhalten und ob sie den als Laichbach ausgewählten Zeller Bach für die Eiablage auch annahmen. Die Belastungssituation des Zellerbaches ist ja nicht so optimal wie es für einen Laichbach sein sollte. Allerdings besitzt er ein funktionsfähiges Kiesbett das sich sehr gut für Schotterlaicher wie Seeforellen eignet. Bei jedem höheren Wasserstand gibt es eine Umlagerung des Gerölls und das Bachbett wird in seiner Struktur im Unterlauf immer wieder erneuert. Im Oberlauf hat der Bach, durch eine mit groben Blöcken angelegte Verbauung, diese Freiheiten leider nicht mehr. Aber auch hier finden Jungfische gute Lebensbedingungen vor. Die Blöcke sind nicht geschlossen gesetzt, sondern breite Fugen und kleine Schwellen bieten Schutz vor hohen Wasserständen und fischfressenden Vögeln. Um das Projekt Laichfische auch richtig durchzuführen wurde eine genaue Vorgangsweise beschlossen.

Seeforelle im farbenprächtigen Laichkleid.

Seeforelle im Betäubungsbad

Als erster Schritt wurden den Seeforellen durch Beschneiden die Fettflossen markiert. Und um unnötigen Stress und oder Verletzungen der wertvollen Fische zu vermeiden wurden sie vorher in ein Betäubungsbad gelegt. Anschließend wurden mit einer kleinen Schere die Fettflossen beschnitten. Schließlich wollen wir unsere Laichfische ja auch in einem oder mehreren Jahren noch wieder erkennen. Es gibt natürlich auch andere Markierungsmethoden aber wir wählten bewusst die Fettflossenmarkierung um uns und jedem Sportangler die Möglichkeit zu geben, eine gefangene Seeforelle schnell und einwandfrei  identifizieren zu können.

Unmarkierte Seeforelle
An der Fettflosse markierte Seeforelle am Irrsee.
In dieser Sache hoffen wir durch Projekteinbindung natürlich auf die Unterstützung unserer Lizenznehmer. Bei einem Fang nach Möglichkeit ein Foto der Seeforelle mit klar ersichtlicher Fettflosse und zusätzlich möglichst exakte Angaben in die Fangliste eintragen. Wir bitten auch um sofortige Meldung in unserem Sekretariat oder unter fisch@sab.at.
Fischermeister Kletzl beim beladen der Transportbehälter.
Unmittelbar nach dem Markieren geht die Reise los.
 

Jetzt folgte der für dieses Projekt wichtigste Teil. Die Besatzaktion am Zeller Bach. Die Bachtemperatur betrug zu diesem Zeitpunkt Ende Oktober nur noch 12° C. Der Wasserstand war als niedrig zu bezeichnen, aber durch Auswaschungen an der Uferkante konnten die Seeforellen sehr gut in den Zeller Bach nach dem Besatz wieder aufsteigen. Ab diesem Zeitpunkt waren wir nur noch Zuseher und voller Neugier wie sich unsere Neuankömmlinge verhalten würden. Besetzt wurden die Forellen direkt im Unterlauf des Zeller Baches ca. 20 m oberhalb der Mündung. Da es sich um Zuchtfische, abstammend von der großwüchsigen Atterseeforelle, handelt, die strömendes Wasser so gut wie gar nicht kennen, ließen sie sich nach einiger Zeit, wie auch erwartet, fallen und blieben jedoch, ganz ihrem Laichverhalten entsprechend, im Mündungsbereich stehen. Hier waren sie noch lange zu beobachten. Leider hatte das auch zu Folge, dass Fischer inmitten der Laichfische zu blinkern begannen. Für den kommenden Herbst muss man sich hier etwas überlegen um den Seeforellen den in der Laichzeit notwendigen Schutz zu geben.

 

Dieses Foto zeigt einen Monat nach der Besatzaktion von Rognern geschlagene Laichgruben an der Mündungskante des Zeller Baches. Laichgruben sind auch für den Laien als heller Fleck am Gewässergrund sehr gut erkennbar. Die Größe und Tiefe der Laichgruben sind in der Regel abhängig von der Größe der Elterntiere. Aber auch im Zeller Bach wurden Laichgruben angelegt und angenommen.
 
Das Verhalten der Laichfische übertraf eigentlich all unsere Erwartungen. Die Fische fühlten sich im Mündungsbereich des Zeller Baches sehr wohl und es war sehr schön zu beobachten wie die Seeforellen in den Zeller Bach aufstiegen. Die am weitesten aufgestiegene Forelle war auf Höhe Sportplatz zu sehen und wenn man den niedrigen Wasserstand berücksichtigt ist dieser Aufstieg eine hervorragende Leistung.
Schemenhaft ist eine über einen Laichplatz stehende Seeforelle zu sehen.
Aber auch im See gibt es Laichstellen.  Seeforellen steigen ja bei ihrer Laichwanderung nicht nur in Bäche auf, sondern laichen auch über im See liegende Laichplätze. Die Irrseeforelle hat ja auch in früheren Jahren teilweise im See abgelaicht. Wir gingen diesem Hinweis eines Irrseekenners nach und konnten tatsächlich Forellen über diesen Plätzen beobachten und auch dort Laichgruben ausmachen. Vielleicht haben sich die Kosten und Mühen der vergangenen Jahre ja schon gelohnt und es hat sich unbemerkt von uns ein kleiner Bestand aufgebaut.

Die Revierkämpfe der Milchner um die besten Plätze bei der Eiabgabe waren ein faszinierendes Schauspiel. Gegenseitige Bisse hinter den Kopf und in den Schwanzstiel und  das Ausheben der Laichgruben durch intensive Schläge mit der Schwanzflosse, waren aber auch Ursache für ein teilweise starkes verpilzen der Laichfische. Bei einem natürlichen Laichvorgang muss man daher immer mit Verlusten von ca. 30 % der Laichfische rechnen.
 
Es gab ja auch 3 Totfunde von stark beschädigten Forellen. Aber diese Verluste sind von der Natur vorgegeben und ergeben auch einen Sinn. Denn nur die stärksten überleben und sichern den Bestand der nächsten Generation. Eine angenehme Überraschung war, als sich eine unmarkierte Seeforelle von ca. 55 cm, also eine frisch aufgestiegene Irrseeforelle, am Laichgeschäft beteiligte. Dieser Wildling bestätigte zurückgesetzte Fänge von Lizenznehmern. Anscheinend animierte die rege Laichtätigkeit unserer besetzten Forellen auch den vorhandenen Bestand jetzt abzulaichen.
 
Der eigentlich Höhepunkt und Ziel dieser Aktion sollte aber noch kommen. Das Ablaichen der Seeforellen. Man muss es gesehen haben. Das Weibchen schwebt über der Laichgrube und beginnt schubweise mit der Eiabgabe. Schräg unter dem Rogner stehend befruchtet das Männchen unter starken Vibrationen die frisch abgegeben Eier. Anschließend werden die befruchtenden Eier mit Kies bedeckt und warten im Sediment auf die Schlupfphase. Genau dieser Vorgang passiert auch in unseren Brutboxen. Diesen natürlichen Vorgang aber einmal in freier Natur beobachten zu können war ein schönes und spannendes Erlebnis. Ab dem 17  Dezember scheint die Laichaktivität abgeschlossen zu sein. Die Seeforellen sind im Irrsee verschwunden und haben sich, wie Sichtungen bewiesen, über den ganzen See verteilt. Das heurige Frühjahr wird zeigen, wie sich die Forellen dem Irrsee angepasst haben. Hier setzen wir natürlich auf die Mithilfe unserer Lizenznehmer. Und um korrekte Rückmeldungen zu erhalten haben wir die Seeforelle ab der heurigen Saison freigegeben. Auch das Mindestmass wurde mit 50 cm angepasst und einer erfolgreichen Fischwaid auf die Königin unserer Alpenseen steht somit nichts mehr im Wege.
 
Der SAB und das Konsortium Zeller/Irrsee bedanken sich bei den Helfern für Ihre Mitarbeit mit einem kräftigem
Petri Heil