Laubenhochzeit am  Irrsee 2008

Jedes Jahr im Frühling spielt sich an den Kiesbetten und Zuflüssen unserer Seen ein Schauspiel der besonderen Art ab. Die Lauben feiern Hochzeit und machen mit einem weithin sichtbaren Spektakel auf sich aufmerksam. Da die meisten Angler das Laichspiel der Lauben zwar kennen, sich aber in der Regel nicht besonders damit beschäftigen, wollen wir versuchen die Lauben und ihr Laichverhalten unseren Anglern etwas näher zu bringen. Lauben kennt jeder Hechtfischer als Fisch der sich vorzüglich für die Schleppangel eignet. In früheren Jahren wurde die Laube auch bevorzugt als lebender Köderfisch für den Hechtfang an die Schluckangel montiert. Durch sein lebhaftes Schwimmverhalten und die weithin sichtbaren silbernen Schuppen, verführte dieser Kleinfisch unzählige kapitale Hechte. Leider ist auch bei den Lauben, wie bei vielen Kleinfischarten, ein seit Jahren bemerkbarer Bestandsrückgang zu verzeichnen. Die Ursachen dafür sind hinlänglich bekannt und vielfältig. Die Zerstörung von Laichhabitat, Überfischung oder Umwelteinflüsse sind leider Dinge die unsere Lauben sprichwörtlich ausbaden müssen. Wir können das Rad der Zeit leider nicht mehr zurück drehen, aber die Zukunft dieser, für ein funktionierendes Ökosystem so wichtigen Kleinfische, diese Zukunft können wir durch Besatz und schonendes Verhalten während der Laichzeit sichern. Schonendes Verhalten bedeutet, Laichzonen nach Möglichkeit nicht zu betreten und die Lauben während dieser Zeit nicht zu beangeln. Das sollte ja eigentlich selbstverständlich sein, da ja Lauben eine gesetzliche Schonzeit vom 16. Mai bis zum 30.Juni genießen. Jeder Fischer kann somit seinen Teil dazu beitragen, damit die Lauben ungestört Hochzeit feiern können. Leider kann man immer wieder beobachten, wie Badegäste, aber auch Fischer mitten durch die Gelege spazieren. Da dies ja meistens nicht mit Absicht passiert, werden am Irrsee ab nächstes Jahr Tafeln mit dem Hinweis - Laichschongebiet - aufgestellt. Vielleicht fördern diese Tafeln ja eine positive Einstellung betreffend laichender Fische. Es soll ja nicht so sein, dass um viel Geld Besatz eingebracht wird und gleichzeitig der eigene wertvolle Nachwuchs das Eistadium durch unbedachtes Betreten der Laichplätze nicht überlebt.
 
Ein Milchner stimuliert den Rogner zur Eiabgabe
Es ist immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art wenn man, so wie hier am Irrsee, das Laichspiel der Lauben beobachten kann. Die Laichzeit fällt in die Zeit von April bis Mai und wer sich jetzt etwas Zeit nimmt bekommt faszinierende Einblicke in das Leben unserer Lauben. Es liegt eine gewisse Spannung unter der Wasserlinie und die Milchner schwimmen aufgeregt den Rognern nach, um den besten Platz an der Seite des Weibchens im Moment der Eiabgabe zu ergattern.
 
Ideale Laichplätze dieser karpfenartigen Kleinfische sind flache leicht überströmte Kiesbetten in den Uferzonen unserer Seen. An diesen, meist sehr gut einzusehenden Stellen legen die Lauben schubweise, und zum Teil auch in der Nacht, ihre Eier ab. In Ermangelung von Kiesbetten werden die klebrigen Eier aber auch an Wasserpflanzen oder Totholz geheftet, wobei hier die Reproduktion in der Regel nicht für einen optimalen Bestand ausreicht. Ein guter Laubenbestand ist daher immer mit ausreichenden und vor allem geeigneten Laichplätzen verbunden.
 
Das heftige Geplätscher zeigt uns, die Lauben haben mit der Eiablage begonnen. Schubweise werden bis zu 10.000 klebrige und gelbliche Eier  (Durchmesser 1,5 mm) an dieser flachen und kiesigen Stelle abgelegt. Die Milchner bekommen zur Laichzeit eine orange Färbung an den Brust und Bauchflossen.
 
Das Ergebnis der Laubenhochzeit kann sich sehen lassen. Überall an den Steinen und in den Zwischenräumen kleben Eier die durch das klare und sanft strömende Wasser mit Sauerstoff versorgt werden. Innerhalb weniger Tage schlüpfen die Jungfische und beginnen ihr gefahrvolles Dasein in unseren Gewässern. Die kleinen Fischchen ernähren sich von Plankton und von auf der Wasseroberfläche treibenden Insekten. In Schwärmen bevölkern sie jetzt die flachen Gewässerabschnitte um den immer gegenwärtigen Barschen zu entkommen.
 
Auch der Haubentaucher holt sich seinen Anteil an den immer noch um die Gelege herum schwimmenden Lauben. Aber das ist die Natur und wir als Angler sollten diesem Tauchvogel seine Mahlzeit gönnen. Es ist ja kein Zufall dass die Natur es so eingerichtet hat, dass der Haubentaucher genau jetzt seinen Nachwuchs aufzieht.
 
Die ärgsten Laichräuber sind aber mit Sicherheit die an den Laichplätzen in großer Anzahl vorkommenden Barsche. Nicht ist vor ihnen sicher, Eier und die Brut werden von den Barschen gefressen. Dieses zum ökologischen Kreislauf gehörende Verhalten kann einen guten Laubenbestand allerdings nicht gefährden. Wie Hohn oder wie eine Drohung klingen da die Bestrebungen, den Seespiegel am Irrsee abzusenken. Wir als Angler und Naturschützer haben daher die Verpflichtung durch umsichtigen Besatz und Gewässerschutz den ökologischen Kreislauf auch in Zukunft zu gewährleisten. Den Gewässerqualität und der Schutz von Laichplätzen sind unabdingbare Vorraussetzungen die einen, für alle Fischarten passenden, Lebensraum Irrsee garantieren. Denn schließlich sollen ja auch noch unsere Kinder das Schauspiel der Laubenhochzeit bewundern können.
 
Petri Heil
Rudolf Mikstetter